Archiv für April, 2009

Angst und Kontrolle

Veröffentlicht in Kopf am April 22, 2009 von socialtuning

Die meisten Menschen können Risiken schlecht einschätzen. Risiken, vor denen Menschen sich fürchten, sind häufig nicht die Risiken, die Menschen töten. Die Risiken, die Menschen kontrollieren können, führen seltener zu Panikreaktionen, als Risiken, über die man keine Kontrolle ausübt.

Vergleicht man den Rinderwahnsinn mit den möglichen Ausbeutung von Krankheitserregern in der Küche, dann löst der Rinderwahnsinn Panik aus, da er sich unserer Kontrolle entzieht. Den Schmutz in der eigenen Küche dagegen hat man unter Kontrolle.

Die meisten Menschen haben mehr Angst vor dem Fliegen, als vor dem Autofahren, da sie die Kontrolle über das Auto ausüben können. Beim Fliegen dagegen sind sie zahlreichen exteren Faktoren ausgeliefert. Vergleicht man die „stündliche Todesrate“  vom Fliegen mit denen des Autofahrens (da man ja häufiger im Auto unterwegs ist) so sind die beiden Werte jedoch ungefähr gleich.

(aus: „Freakonomics“ Steven D. Levitt)

Die Wahrheit erkennen

Veröffentlicht in Sprechen am April 5, 2009 von socialtuning

Anstatt sich mit der Frage zu beschäftigen, ob jemand lügt, kann man stattdessen auch den Spieß umdrehen und Kriterien nennen, die auf den Wahrheitsgehalt einer Geschichte hindeuten.

Deutsche Psychologen haben eine so genannte „Glaubhaftigkeitsbegutachtung“ entwickelt, die verschiedene Kriterien aufführt, die Menschen anwenden, wenn sie die Wahrheit sagen.

Nichtsdestotrotz ist es natürlich möglich, dass eine Lügengeschichte ebenso einige dieser Punkte enthält oder einer wahren Geschichte Punkte fehlen.

1. Zeitliche Sprünge

Eine Geschichte wird nicht in der präzisen zeitlichen Abfolge, sondern mit mehreren Zeitsprüngen erzählt. Sei es um weitere Hintergrundinformationen zu nennen oder um wichtige Punkte hervorzuheben.

2. Je mehr Details, desto wahrscheinlicher ist der Wahrheitsgehalt

Lügner wiederholen nur wesentliche Informationen und können keine detaillierten Angaben von dem Ereignis machen.

3. Einbettung in den Kontext

Das Ereignis wird in einen alltäglichen Zusammenhang eingebettet. Z.B.:„Als ich wie immer um 8 Uhr die Tagesschau geschaut habe, kam auf einmal …“

4. Beschreibung von Interaktionen

Wahre Geschichten beschreiben, wie eine Person mit einer weiteren wichtigen Person ein Gespräch o.ä. hatte.

5. Wörtliche Zitate

Ein Lügner würde eher nicht Passagen aus einem Gespräch zitieren. Z.B.: Lüge: „Ich sagte ihm er solle das nicht machen.“ Wahrheit: Ich sagte zu ihm:“ Mach das bloß nicht!“

6. Unerwartete Komplikationen

Wenn die Geschichte keine unerwarteten Unterbrechungen oder Ereignisse enthält, ist sie wahrscheinlich nicht wahr.

7. Ungewöhnliche Details

Wahre Geschichten enthalten ungewöhnliche Details, wie z.B. „Er trug eine goldene Sonnenbrille“ oder „Sie hatte ein kleines Tattoo am Knöchel.“

8. Äußerungen über die Gefühle des Sprechers

Wahre Geschichten enthalten Äußerungen über die verschiedenen unterschiedlichen Gefühle, die die Person während der Geschichte durchläuft.

9. Äußerungen über die Gefühle anderer Beteiligter

Der Erzähler beschreibt die vermuteten Gefühle anderer beteiligter Personen.

10. Spontane Korrekturen

Der Erzähler unternimmt kleine Korrekturen oder fügt kleine Details zu der Geschichte ein.

11. Lücken in der Erinnerung eingestehen

Wer die Wahrheit erzählt, hat keine Probleme damit, Lücken in der Erinnerung zuzugeben. Ausnahme: „Das weiß ich nicht“ als Antwort auf eine direkte Frage.

12. Zweifel andeuten

Wer die Wahrheit spricht, mag Zweifel andeuten, dass jeder einzelne Teil der Geschichte wirklich genau so geschehen ist.

13. Selbst-Missbilligung

Der Erzähler spricht Details an, die ihn unvorteilhaft erscheinen lassen.

(Aus: „Tricks of the Mind“ Derren Brown)

siehe auch: Lügen erkennen