Archiv nach Kategorie "Theorien"

Der Halo-Effekt

Veröffentlicht in Theorien am März 27, 2008 von socialtuning

Wenn der Gesamteindruck, den eine Person auf eine andere macht, durch ein einzelnes positives Merkmal, das sie hat, dominiert wird, spricht man von einem Halo-Effekt (griechisch: halos=Lichthof).

Gut aussehenden Menschen sprechen die meisten Menschen weitere positive Eigenschaften, wie Intelligenz, Begabung, Freundlichkeit und ehrlichkeit, zu, ohnezu ahnen, dass sie von der äußerlichen Attraktivität beeinflusst wurden.

In einer Studie zeigte sich, dass eine gute äußere Aufmachung für die Einstellungschancen von größerer Bedeutung ist als die berufliche Qualifikation.

Wirtschaftswissenschaftler haben berechnet, dass (in der USA und in Kanada) das Einkommen von gutaussehenden Leuten 12 bis 14 Prozent über dem ihrer weniger attraktiven Kollegen liegt.

Untersuchungen mit Grundschulkindern zeigen, dass Erwachsene eine aggresive Handlung weniger verwerflich ansehen, wenn sie von einem gut aussehenden Kind bebangen wird.

(Aus: “Die Psychologie des Überzeugens” – Robert B. Cialdini)

Der „Werther-Effekt“

Veröffentlicht in Theorien am März 24, 2008 von socialtuning

Suizidgeschichten in den Medien führen zu einem Anstieg der Selbstmordraten.

Verblüffenderweise führen Suizidberichte einzelner Personen zu einem Anstieg der Selbstmorde von einzelnen Personen. Berichte über „erweiterte Suizide“ (z.B. absichtlicher Autounfall oder Flugzeugabsturz) führen zu einem Anstieg der Suizide, bei denen mehrere Menschen sterben.

Der Soziologe David Phillips erklärt diese Zusammenhänge anhand des Phänomens namens „Werther-Effekt“.

Vor über 200 Jahren veröffentlichte Johann Wolfgang von Goethe den Roman “Die Leiden des jungen Werther“. Der Protagonist Werther begeht am Ende des Romans Selbstmord.

Dieses überaus erfolgreiche Buch machte Goethe damals berühmt und führte zu einem weiteren Phänomen, eine Reihe von Nachahmesuiziden über ganz Europa. Dies führte dazu, dass der Roman in zahlreichen Ländern verboten wurde.

Phillips fand heraus, dass unmittelbar nachdem ein Suizid auf den Titelseiten thematisiert wurde, es in den Gegenden, in denen die Berichterstattung besonders ausführlich war, zu einem deutlichen Anstieg der Suizidraten kam. Die Nachricht vom Suizid eines anderen Menschen lässt eine erschreckend hohe Zahl von Menschen zu dem Schluss kommen, dass auch für sie der Suizid eine angemessene Haltung ist.

Eine andere Variante ist der „getarnte“ Suizid. Hier will die Person vermeiden als Selbstmörder identifiziert zu werden, sei es um den Ruf zu schützen oder der Familie die Schmach zu ersparen oder um in den Genuss von Versicherungsgeldern zu kommen. Es wird ein Unfall mit Absicht herbeigeführt (am Steuer eines Autos, als Beifahrer, als Pilot eines Flugzeugs, etc.).

Der Anstieg der Unfalltoten nach schlagzeilenmachenden Suiziden ist höchstwahrscheinlich Ausdruck eines im Verborgen wirkenden Werther-Effekts.

Dieser generelle Nachahmungseffekt lässt sich auch bei Straftaten und ihren Nachahmern erkennen. Es lassen sich hier regelrechte „Trends“ ausmachen. In den 70`er Jahren waren Flugzeugentführungen weit verbreitet, in den Achtzigern manipulierten die Täter Produkte im Supermarkt um Firmen erpressen zu können und in den Neunzigern sind es die Amokläufe in Büros, Werkhallen und Schulen gewesen, die zum Schreckgespenst wurden.

(Aus: “Die Psychologie des Überzeugens” – Robert B. Cialdini)

Soziale Bewährtheit – social proof

Veröffentlicht in Theorien am März 23, 2008 von socialtuning

Das Prinzip der sozialen Bewährtheit besagt, dass die Menschen in Situationen in denen sie entscheiden müssen, was zu tun oder zu glauben ist, sich anschauen, was andere Menschen in dieser Situation tun oder glauben und sich diesem Verhalten anpassen. Dieser Nachahmungseffekt kann sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen beobachtet werden.

Wir betrachten ein Verhalten in einer gegebenen Situation in dem Maß als richtig, in dem wir dieses Verhalten bei anderen beobachten.

Das Prinzip der sozialen Bewährtheit kann missbraucht werden, indem man einer Person die Information gibt, dass schon viele andere Personen (je mehr, desto besser) bereits genau dass getan haben, was man von ihr erwartet.

Unter zwei Bedinungen funktioniert das Prinzip der sozialen Bewährtheit besonders gut:

1. Unsicherheit: Wenn eine Situation mehrdeutig ist, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sich die Aufmerksamkeit auf die Handlungen anderer ausrichtet und deren Verhalten als das richtige ansehen.

2. Ähnlichkeit: Man neigt eher dazu, es jemanden gleichzutun der einem ähnlich ist.

„Da 95 Prozent der Leute Nachahmer sind und nur 5 Prozent Vormacher, lassen sich die Leute mehr durch die Handlung anderer überzeugen als durch jedes andere Argument.“ Cavett Roberts

Einige Beispiele:

- „Lachkonserven“, also Einblendungen von Gelächter bei Sitcoms oder Sketchsendungen, sind einerseits bei den meisten Fernsehzuschauern sehr unbeliebt. Andererseits findet man sie show- und senderübergreifend in zahlreichen Fernsehformaten. Warum befürworten nun die Verantwortlichen der Fernsehsender trotzdem Lachkonserven, wenn sogar Schauspieler, Autoren und Regisseure diese ablehnen? Ganz einfach: Die Forschung zeigt, dass Sendungen mit Lachkonserven ein Publikum dazu bringen länger und öfter über Witze zu lachen und das gezeigte Format als komischer einzuschätzen. Lachkonserven sind kurioserweise bei schlechten Witzen besonders effektiv.

- Barkeeper legen am Anfang des Abends gerne einige Scheine in ihre Trinkgeldgläser, um den Gästen den Eindruck zu vermitteln, ein ganzer Schein als Trinkgeld ist „normal“.

- Massenprediger schleusen Personen in ihre Messen ein, die „spontan“ nach vorne kommen und eine Art „Ohnmachtsanfall“ bekommen, wenn der Prediger seine Hand auf ihre Stirn legt.

- Ein Produkt wird gerne mit dem Prädikat „meistverkauft“ beworben, so dass der Konsument gar nicht von den Vorzügen des Produkts überzeugt werden muss. Die Tatsache, dass viele Personen vor ihm das Produkt erworben haben, reicht den Werbern aus.

- In Fernsehsendungen, in denen Geld gesammelt wird, verwendet man sehr viel Zeit auf die namentliche Nennung von Zuschauern, die bereits gespendet haben.

- Manche Nachtclubbetreiber sorgen dafür, dass sich absichtlich eine lange Schlange vor dem Club bildet, obwohl sich drinnen nur wenige Besucher befinden.

- Verkäufer werden angewiesen, ihre Argumente mit den Hinweisen auf Leute, die das Produkt bereits gekauft haben, auszuschmücken.

- Phobien werden behandelt, indem man den Patienten eine Person im selben Alter(!) zeigt, die diese Ängste nicht besitzt. In einer Studie wurden Kinder im Vorschulalter, die Angst vor großen Hunden hatten, die Gelegenheit gegeben ein Kind im gleichen Alter dabei zu beobachten, wie es ohne jede Angst mit einem großen Hund spielt.

- Wenn ein Mensch in Not gerät (Ertrinken, Überfall, gesundheitliche Probleme), kann es passieren, dass diese Person genau dann keine Hilfe erfährt, wenn mehrere Personen die Situation beobachten können und bemerken, dass mehrere andere Personen auch Zeuge des Notfalls sind. Die Zeugen reagieren nicht wegen der „sozialen Kälte“ der Großstädte, sondern vielmehr, da sie die anderen Zeugen beobachten können und ihr eigenes Verhalten dem Verhalten der Gruppe anpassen. Je mehr Zeugen es gibt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass niemand helfen wird. Die Verantwortlichkeit des Einzelnen wird verringert.

- In Werbespots äußern sich „normale“ Leute auf der Strasse begeistert über ein bestimmtes Produkt. Es handelt sich dabei immer um „Leute, wie du und ich“, also Konsumenten, die uns ähnlich(!) sind. Obwohl die meisten Fernsehzuschauer sich darüber im klaren sind, dass es sich hier um Schauspieler handelt und die Szene gestellt ist, laufen diese Spots weiterhin in unterschiedlichen Variationen erfolgreich im Fernsehen.

(Aus: “Die Psychologie des Überzeugens” – Robert B. Cialdini)

Kommitment und Konsistenz – Wer A sagt…

Veröffentlicht in Hand, Theorien am März 2, 2008 von socialtuning

Unser Bestreben in unserem Handeln konsistent zu sein (und nach außen hin konsistent zu erscheinen) kann als wirkungsvolle Waffe der Einflussnahme genutzt werden. Inkonsistentes Handeln wird meistens als wenig wünschenswerte Eigenschaft gesehen. Eine Person, deren Aussagen, Ideale und Handlungen im Widerspruch stehen, wird eher als wirr, konfus oder falsch bewertet. Eine hohe Konsistenz dagegen wird mit Stärke, Vernunft und Stabilität interpretiert.

Die meisten Menschen fahren gut damit, wenn ihr Leben und ihre Aufgaben durch ein hohes Maß an Konsistenz charakterisiert ist; eine Art Roter Faden. Es erleichtert den Umgang mit der Komplexität des Alltags und kann auch eine gewisse Bequemlichkeit darstellen („Ich mache das jetzt so, weil … ich hab das immer so gemacht!“).

Leider bietet unser Bestreben nach Konsistenz zahlreiche Möglichkeiten unser Handeln zu beeinflussen und uns zu Taten zu bewegen, die eigentlich gegen unsere Interessen sind.

Einige Beispiele:

- Spielzeughersteller bewerben im Weihnachtsgeschäft ein Spielzeug intensiv, liefern die Geschäfte aber nur unzureichend mit dem Spielzeug aus. Dies hat den Vorteil, dass die Eltern vor Weihnachten ein anderes Geschenk kaufen (müssen) und nach Weihnachten erneut in die Läden gehen, um das ursprüngliche Spielzeug zu erwerben. Die Eltern versprechen ihren Kindern ein Spielzeug (Kommitment) und bleiben dieser Zusage im neuen Jahr treu, obwohl sie ja bereits ein anderes Geschenk zu Weihnachten erworben haben (Konsistenz). Die Spielzeughändler verhindern so die rückläufigen Verkaufszahlen und erhalten doppelte Umsätze, indem Sie die Eltern … verarschen! (Ein Beispiel: Das Spielzeug „Furby“ Ende der neunziger Jahre)

- Wohltätigkeitsorganisationen fragen bei ihren Telefonkampagnen zuerst nach dem Befinden. Die Antwort lautet meistens „Ganz gut“ oder „Sehr gut“ (Kommitment). Nachdem man sich öffentlich bekannt hat, dass es einem gut geht, kann man in die Ecke getrieben werden und von dem Sammler dazu gebracht werden, etwas für diejenigen zu spenden, denen es nicht so gut geht (Konsistenz).

- Amerikanische Kriegsgefangene wurden im Koreakrieg zu schwachen antiamerikanischen Aussagen aufgefordert, wie z.B. „Die Vereinigten Staaten sind nicht perfekt.“ Oder „In einem kommunistischem Land gibt es keine Arbeitslosen.“ (Kommitment). Als nächstes wurde dann gefragt, woraus genau dieser Mangel an Perfektion bestand. Als nächstes wurden die Gefangenen aufgefordert eine Liste mit den „Problemen mit Amerika“ aufzuschreiben. Anschließend musste der Gefangene seine Liste in einer Diskussionsrunde vorlesen. Es war ja seine Meinung, nicht wahr! Dann folgte die Aufforderung, einen Aufsatz über die Probleme mit Amerika zu schreiben. Dieser Aufsatz wurde dann in einer antiamerikanischen Radiosendung vorgelesen, die auch die andere Kriegsgefangene hören konnten! So wurde der Autor des Textes zum Kollaborateur. Daraufhin veränderten die Gefangenen ihr Selbstbild und passten ihre Handlungen dem Etikett des Kollaborateurs an. Dies führte zu weiteren kollaborativen Handlungen (Konsistenz).

. Firmen veranstalten Wettbewerbe, bei denen die Teilnehmer kurze Texte einsenden müssen, die mit der Aussage „Mir gefällt an dem Produkt, dass …“ beginnen. Der Trick besteht darin die Teilnehmer zu positiven Aussagen über die Produkte der Firma zu bewegen.

- In Kliniken für Übergewichtige werden die Patienten dazu aufgefordert aufzuschreiben, wie viel sie abnehmen wollen und dies möglichst vielen Freunden, Verwandten und Nachbarn zu zeigen.

- In einem Experiment wurden die Hausbesitzer in einem Wohngebiet dazu aufgefordert, eine riesige Tafel mit der Aufschrift „Augen auf im Straßenverkehr“ in ihrem Garten aufzustellen. Natürlich lehnten dies 83% der Befragten ab. In einer zweiten Variante des Experiments wurden die Bewohner 2 Wochen vorher mit der Frage konfrontiert, ob sie bereit wären ein 8×8 Zentimeter großes Schild mit der Aufschrift „Fahren Sie vorsichtig!“ sichtbar an ihrem Haus anzubringen. Fast alle Teilnehmer stimmten zu (Kommitment). Als dann 2 Wochen später die Bitte folgte, die riesige Tafel in ihrem Garten aufzustellen, stimmten erstaunliche 76% zu (Konsistenz)!

- Jede Unterschriftensammlung auf der Straße „erzwingt“ unser Kommitment und kann dazu führen, dass wir später einer größeren Bitte nachgeben, um mit unserer Unterschrift und dem daraus neu definiertem Selbstbild konstant zu sein.

- Beim Pokern fällt es den meisten Menschen schwer aus einem Spiel auszusteigen, bei dem man bereits einen oder mehrere Einsätze in den Pot geworfen hat. Der erste Einsatz (Kommitment) führt dazu, dass wir dieser Handlung treu bleiben und weiter mitsetzen (Konsistenz), obwohl unser Blatt vielleicht nicht besonders stark ist und evtl. mehrere andere Spieler mitsetzen.

- Ein Gespräch eines Mitglieds einer Drückerkolonne mit einem Kunden: Über die Fernsprechanlage: „Entschuldigung, können wir kurz etwas fragen. Wir machen gerade eine Meinungsumfrage. Es dauert auch nicht lange.“ Kunde: “Ja, ok.“ „Es geht um Vorurteile. Würden Sie sagen, dass sie Vorurteile haben gegenüber Menschen, die einmal im Gefängnis gesessen haben und dann ein neues Leben aufbauen wollen?“ Kunde: “Aber nein, natürlich habe ich keine Vorurteile!“ (Kommitment) „Gut. Dann finden sie es auch gut, wenn Menschen eine zweite Chance bekommen?“ Kunde: “Ja sicher, jeder verdient eine zweite Chance.“ „Und informieren sie sich auch? Lesen sie Zeitschriften?“ Kunde: “Ja, natürlich informiere ich mich. “Da bin ich froh. Ich bin jetzt ganz ehrlich zu ihnen. Ich bin selbst betroffen. Ich war bis vor 4 Wochen im Gefängnis und möchte nun ein neues Leben beginnen. Als Teil meiner Bewährungsauflagen muss ich ein bisschen Geld verdienen. Und sie würden mir sehr helfen, wenn sie eine dieser vielen Zeitschriften hier abonnieren.“ …und schon befindet sich der Kunde in der Konsequenz-Falle! Diese Technik nennt sich auch im englischen „Yes-Ladder“, eine Ja-Leiter!

Es gibt keine Mühe, die der Mensch scheut, um eine wirklich mühevollen Arbeit zu entgehen: zu denken. – Joshua Reynolds

(Aus: “Die Psychologie des Überzeugens” – Robert B. Cialdini)

Die Tür-ins-Gesicht-Taktik

Veröffentlicht in Hand, Theorien am Februar 23, 2008 von socialtuning

Die Tür-ins-Gesicht-Taktik ist eine der wirkungsvollsten Überredungsstrategien überhaupt.

Stell dir vor du möchtest jemanden dazu bringen dir eine Bitte zu erfüllen. Um die Chancen zu verbessern, kann man zunächst eine Bitte nach etwas wesentlich Größerem stellen. Nachdem diese Bitte wahrscheinlich abgelehnt wird, kann man nun die ursprüngliche Bitte vorbringen. Sind diese Bitten geschickt formuliert, kann die Person die zweite Bitte als Zugeständnis an sich betrachten und wird daher eher geneigt sein diese Bitte zu erfüllen.

In einem Experiment bat man Studenten auf dem Campus darum einen Tag lang Straftäter bei einem Zooausflug zu begleiten ohne dies zu bezahlen. 83% lehnten dies ab. In der zweiten Variante bat man die Studenten VORHER, ob sie 2 Jahre lang für 2 Stunden die Woche als Berater für Straftäter zur Verfügung stehen. Nachdem diese extreme Bitte (natürlich) ausgeschlagen wurde, nannten die Versuchsleiter die „Zoo-Bitte“. Im Kontrast zu der ersten „2-Jahres-Bitte“ erschien die „Zoo-Bitte“ nun harmloser. Dreimal so viele Studenten sagten diesmal zu.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die erste Bitte nicht zu überzogen und unrealistisch ist. Dies kann dazu führen, dass dem Verhandlungspartner realistische Ausgangspositionen abgesprochen werden.

Der Grund für die hohe Wirksamkeit liegt darin, dass hier zwei Prinzipien gleichzeitig zum Wirken kommen:

1) Das Reziprozitätsprinzip führt zu dem Wunsch nach Ausgeglichenheit. Nachdem eine Bitte ausgeschlagen wurde möchte man zum Ausgleich eine Bitte zusagen bzw. die Balance wiederherstellen.

2) Das Kontrastprinzip lässt die zweite Bitte im Vergleich zur ersten Bitte harmloser aussehen, als sie ist.

Weitere Beispiele:

- Bei Tarifverhandlungen werden häufig zunächst zu hohe Vorschläge genannt. Nachdem diese abgelehnt wurden, werden der Gegenseite häufig Zugeständnisse gemacht.

- Um der Zensur von Drehbüchern oder Liedtexten vorzubeugen, fügen die Autoren bewusst Stellen in den Text ein, die anschließend von der Kontrolle mit Sicherheit zensiert werden. Anschließend können die Autoren dann den Vorschlag einsetzen, den sie ursprünglich im Sinn hatten.

- Vertreter werden in ihrer Ausbildung dazu angeleitet als zweites Ziel (nach dem Verkauf) die Adressen von anderen potenziellen Kunden von dem ersten Kunden zu bekommen, bei denen sich die Vertreter dann auf den ersten Kunden, von dem die Adresse genannt wurde, berufen können (siehe auch: social proof).

- Einzelhandelsverkäufer bieten dem Kunden zunächst das Produkt der höchsten Preisklasse an. Wenn der Kunde zugreift hat der Händler ein gutes Geschäft gemacht. Wenn er ablehnt, kann man immer noch ein günstigeres Produkt anbieten. Diese Taktik nennt sich auch „talking the top of the line“.

(Aus: “Die Psychologie des Überzeugens” – Robert B. Cialdini)

Das Reziprozitätsprinzip

Veröffentlicht in Theorien am Februar 15, 2008 von socialtuning

Das Reziprozitätsprinzip (Prinzip der Ausgeglichenheit) besagt, dass Menschen bemüht sind zurückzugeben, was sie bekommen haben. Gefälligkeiten, Geschenke, Einladungen usw. werden früher oder später revanchiert. Diese Verpflichtung zur Gegenseitigkeit zeigt sich in Formulierungen wie „Ich bin Ihnen sehr verpflichtet.“
Das Reziprozitätsprinzip findet eine weite Verbreitung in allen Kulturen und Gesellschaften. Wir alle haben gelernt uns an diese Regel zu halten und wir alle kennen die sozielen Sanktionen, die uns begegnen wenn wir sie missachten. Dies kann dazu führen, dass man aus unseren Verbundenheitsgefühlen Profit schlägt.

Einige Beispiele:
- Die Hare-Krishna-Gemeinschaft konnte ihr Spendeneinkommen vervielfachen, als sie dazu übergingen jedem Passanten eine kleine Blume zu schenken. Sie verweigerten die Rücknahme, baten allerding gleichzeitig um eine Spende. Einige gingen sogar soweit, die Blumen später aus dem Mülleimer herauszufischen und wiederzuverschenken. Mit der Zeit erkannten die Passanten die Strategie und fingen an die Blumengeschenke zu verweigern!

- Da der amerikanische Präsident Lynton Johnson vor seiner Amtszeit verschiedenen Leuten zahlreiche Gefälligkeiten zukommen ließ, gelang es ihm während seiner Amtszeit unterschiedliche Programme im Kongress durchzusetzen. Jimmy Carter dagegen hatte Probleme am Anfang seiner Amtszeit, da er in seinem Wahlkampf behauptete niemanden etwas schuldig zu sein. Dies wurde zu einem Bumerang, da niemand ihm etwas schuldig war.

- Die Gratisprobe einer Firma ist gleichzeitig ein Geschenk, welches das Reziprozitätsprinzip auf den Plan ruft. Der Konsument erhält zur Probe gleichzeitig ein Gefühl der Verpflichtung.

- Eine Organisation amerikanischer Kriegsversehrter erhielt 18% Antworten auf eine Briefspendenaktion. Als ein Geschenk (in diesem Fall ein Adressenaufkleber) hinzugefügt wurde, stiegen die Erfolgsquote auf 35%.

- Eine Untersuchung ergab: Wenn eine Frau einen Mann ihre Getränke bezahlen lässt, wird sie (von Männern und Frauen) als leichter zu haben eingeschätzt.

(Aus: “Die Psychologie des Überzeugens” – Robert B. Cialdini)

Das Kontrastprinzip

Veröffentlicht in Hand, Theorien am Februar 10, 2008 von socialtuning

Das Kontrastprinzip besagt, dass wir 2 Dinge, die wir wahrnehmen, als unterschiedlicher empfinden, als sie eigentlich sind. Wir schätzen z.B. das Gewicht eines Gegenstands, den wir hochheben, höher ein, wenn wir zuvor einen leichteren hochgehoben haben.

Das Kontrastprinzip wird gerne in verschiedenen Varianten als Trick gegenüber Kunden angewandt. Hier ein paar Beispiele:

-Wenn ein Kunde ein Herrenmodegeschäft in der Absicht betritt, einen Anzug und einen Pullover zu kaufen, dann wird die Verkäuferin versuchen, ihm zuerst den teuren Anzug zu verkaufen und anschließend den Pullover. Man zögert als Kunde nicht nach einem teuren Kauf noch einen weiteren Kauf zu tätigen, wenn dieser preislich niedriger ist, und vor allem im Kontrast (zu dem Anzug) billig wirkt. Der Pullover kann durchaus teuer sein; im Vergleich mit dem Anzug wird er billig wirken! Das Gleiche gilt auch für die Accessoires (Schuhe, Gürtel, Krawatte) zu dem Anzug.

- Manche Verkäufer einer Immobilienfirma besitzen (unverkäufliche) „Vorführhäuser“, die heruntergekommen aussehen und zu überhöhten Preisen angeboten werden, nur für den Zweck, diese den Kunden ZUERST zu zeigen, um die wirklichen Angebote imVergleich attraktiver wirken zu lassen.

- Autoverkäufer bieten erst nach dem Kauf des Wagens die zahlreichen Extras an, die im Kontrast zu dem Preis für das Auto niedrig wirken. Die Preise der Extras (getönte Scheiben, Navigation, CD-Spieler, Innenausstattung) werden dabei einzelnd genannt, um den preislichen Kontrast möglichst groß wirken zu lassen. Wenn der Kunde dann den fertigen Vetrag vor sich liegen hat, ist er nicht selten verwundert, wie teuer der Wagen auf einmal geworden ist.

-Als ein Freund in den Urlaub nach Mexico geflogen ist, hat die Stewardess im Flieger folgende Ansage gemacht: „Meine Damen und Herren. Leider müssen wir wegen technischer Probleme am Flughafen *XY* einen längeren Zwischenstopp vornehmen. Sie bekommen alle die Möglichkeit in einem Hotel in der Nähe des Flughafens zu übernachten.“ Nachdem die schlechte Nachricht eine entsprechende Wirkung bei den Reisenden hinterlassen hatte, kam folgende Durchsage:“Meine Damen und Herren. Sie müssen nicht über Nacht bleiben. Der Zwischenstop dauert lediglich eine Stunde!“ In dem Moment konnte man förmlich das Aufatmen der Passagiere hören! Clever!

(Aus: “Die Psychologie des Überzeugens” – Robert B. Cialdini)

Drogenkonsum

Veröffentlicht in Theorien am Januar 27, 2008 von socialtuning

In den meisten Naturvölkern gab es Drogenkonsum ohne Drogenmissbrauch. Durch die natürlichen Ressourcen (z.B. Ernten) waren die Drogen immer nur in eingeschränkten Maße erhältlich.

Der Missbrauchs von Drogen wurde erst möglich, als diese unbegrenzt zur Verfügung standen bzw. sich ein weltweiter Handel mit Drogen etablierte.

Viktimisierung

Veröffentlicht in Theorien am Januar 23, 2008 von socialtuning

Der französische Philosoph Pascal Bruckner bezeichnet mit Viktimisierung die „Neigung des Bürgers, sich selbst nach dem Muster verfolgter Völker zu begreifen“.

Jammern ist ein Phänomen in allen sozialen Schichten: Arbeitnehmer fühlen sich ausgebeutet, Unternehmer verprellt, Leistungsträger geschröpft, Mieter benutzt, Vermieter entrechtet, Frauen benachteiligt, Männer schlecht gemacht, Anleger übers Ohr gehauen, Lehrer überfordert und Politiker beschmutzt.

Jeder klagt fehlende Anerkennung von anderen ein.

Der Hang zum Selbstmitleid variiert auch innerhalb der Nationen. Die Deutschen neigen mehr zu Selbstmitleid als Amerikaner oder Engländer. Einen ähnlichen Unterschied entdeckte man auch bei den Türken, die in Deutschland leben und denen, die in der Türkei leben.

(Aus:  Psychologie Heute-compact – Selbsterkenntnis)

Selbstkontrolle: Der Marshmallow-Test

Veröffentlicht in Theorien am Januar 23, 2008 von socialtuning

Einem Vorschulkind wird ein Marshmallow vorgelegt. Wenn das Kind den Marshmallow 15 Minuten lang nicht verzehrt, bekommt es noch einen zweiten Marshmallow. Wenn es den Ersten allerdings verspeist, bekommt es keinen zweiten Marshmallow.

Bei Nachuntersuchungen dieses Experiments stellte sich folgendes heraus: Je länger ein Kind in der Lage ist den Test durchzuhalten, desto besser bewältigte es sein Leben.

Die Kinder zeigten im Teenageralter eine bessere Konzentration, mehr Intelligenz, planvollerer Umgang mit Aufgaben und bessere Noten bei Standardschultests. Stress, Versuchung und Frustration konnte Sie nicht unterkriegen.

Selbst mit Anfang 30 zeigten sie immer noch eine größere Selbstbeherrschung als jene Personen, die sich als Kind nicht zurückhalten konnten.

Ein ähnliches Experiment wurde mit erwachsenen Frauen in einem Büro durchgeführt: Vierzig Sekretärinnen wurden Schokoladenküsse ins Büro gelegt.

Wenn die Süßigkeiten unter einem undurchsichtigen Behälter 2 Meter entfernt waren , genehmigten sich die Frauen nur 3 am Tag. Lagen die Süßigkeiten direkt auf dem Schreibtisch unter einem durchsichtigen Behälter, aßen die Frauen fast 8 Stück am Tag.

Selbstkontrolle funktioniert sogar ähnlich wie ein Muskel. Bei einem weiteren Experiment wurden die Versuchteilnehmer in einen Raum geführt, in dem es nach frischen Keksen duftete. Ein Teil der Personen durfte die Kekse probieren, ein anderer Teil durfte Rettich essen. :)

Anschließend mussten alle eine (unlösbare) Denkaufgabe bearbeiten. Die „Rettich-Esser“ kapitulierten bereits nach 9 Minuten, die „Keks-Esser“ hielten 18 Minuten durch.

Ein paar Ideen, wie man Selbstbeherrschung verbessern kann:

- Die Verlockungen innerhalb eines Bilderrahmens vorstellen. Ein Bild kann man nicht essen.

- Nicht alles auf einmal! Fernsehen, Rauchen und Süßigkeiten nicht gleichzeitig abgewöhnen.

- Fortschritte und Erfolge notieren.

- Realistische Ziele setzen! Wer mit dem Laufen beginnen will, sollte sich zuerst eine kurze, angemessene Strecke vornehmen.

-Ausreichend schlafen, denn Schlafmangel schwächt die Selbstkontrolle!

(Aus: Psychologie Heute-compact – Selbsterkenntnis)