Der Denker und der Beweisführer

Das menschliche Gehirn ist in zwei Hälften geteilt: Den Denker und den Beweisführer.

Der Denker kann alles denken. Er kann denken, dass die Erde eine Scheibe ist oder eine Kugel. Er kann denken, dass er unsterblich, sterblich und beides zugleich ist. Er kann sich u.a. in ein christliches, marxistisches oder buddhistisches Konzept hineindenken. Er kann denken, dass die Amerikaner 1969 nicht auf dem Mond waren. Er kann sich sogar im weitesten Sinne krank und auch gesund denken.

Der Beweisführer funktioniert nach folgendem Gesetz: Was immer der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen. Wenn der Denker denkt, dass sich die Sonne um die Erde dreht, wird der Beweisführer sämtliche Sinneseindrücke so filtern, dass sie in dieses Gedankengebäude passen. Ändert der Denker seine Meinung, dann wird der Beweisführer die Indizien umorganisieren.

Folgendes Beispiel: Vor ein paar Wochen schenkte ich meinem Bruder ein Sachbuch voller Ideen, wie man (sehr vereinfacht ausgedrückt) weniger arbeiten kann und trotzdem mehr Geld verdienen kann.

Nach ein paar Tagen meinte er zu mir: „Das ist wieder eins von diesen Büchern, die einem zeigen wollen, wie man reich wird. Wirklich reich wird davon allerdings nur der Autor!“

Er hat recht, denn:

„Sein“ Denker denkt, dies ist einer dieser typischen „Werden Sie reich“-Ratgeber. „Sein“ Beweisführer entdeckt beim durchblättern und querlesen des Buches zahlreiche Kapitel und Passagen, die diesen Gedanken unterstützen bzw. beweisen. (Der Autor hat in der Tat viel Geld verdient, da sein Buch ein Bestseller war.)

Er hat unrecht, denn:

„Sein“ Beweisführer hat beim durchblättern alle anderen Passagen in dem Buch ausgeblendet oder schlicht und einfach nicht wahrgenommen, die eine andere Meinung zu diesem Buch unterstreichen. (Der Autor hatte schon vor der Veröffentlichung genug Geld verdient.)

Ps: Das Buch heißt „The 4-hour workweek“

(Aus: “Der neue Prometheus” – Robert Anton Wilson)

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4 Antworten zu Der Denker und der Beweisführer

  1. Berthold schreibt:

    …das Konzept vom Denker und dem Beweisführrer wurde schon in „Der neue Prometheus“ von Robert Anton Wilson erwähnt. Er beschreibt es dort auch ausführlicher mit praktischen Übungen dazu….

    Und er bezieht sich dort auf Leonard Orr. Immer ganz nett, wenn man mal die Quellen erwähnt…..;-)

  2. Cal schreibt:

    Leider hast du das Konzept nur halb verstanden.
    Das gleiche gilt nämlich für dich. Du bist der Meinung, dieses Buch hat dein Leben verändert, alles wird dadurch besser. Und dein Beweisführer organisiert diese Fakten so um.
    Und für mich gilt das auch.
    Da der Post alt ist, hoffe ich mal, du bist mittlerweile weiter. Oder denkst weiter zu sein.
    Viel Spaß mit dem Mindfuck 😉

  3. socialtuning schreibt:

    1. Ja, das Konzept gilt auch für mich!
    2. Nein, ich denke nicht, dass dieses Buch mein Leben verändert hat und alles dadurch besser wird. Aber meinen Horizont hat es, wie einige andere Bücher auch, ein wenig erweitert.

  4. Pingback: 10 Tipps für mehr Power - Steigere deine Energie - Teil 2 | Selbstmanagement

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