The Big 5

Vergleicht man die Eigenarten tausender Persönlichkeiten stößt man auf wiederkehrende Muster und Merkmale. Einige dieser Merkmale korrilieren hoch mit anderen Merkmalen. Wer z.B. fröhlich ist neigt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zur Geselligkeit. Wen Ängste plagen, der neigt auch zu Depressionen.

Unsere Persönlichkeitsattribute werden also nicht regelmäßig auf einer „Ebene“ verteilt, sondern bündeln sich oder gruppieren sich entlang von Achsen. Daraus hat sich ein Konzept herauskristalliert, welches genau 5 dieser Persönlichkeitsachsen zur Persönlichkeitsbeschreibung nutzt…die „Big Five“:

Extraversion————————————Introversion

Extraversion: herzlich, gesellig, durchsetzungsfähig, aktiv, …

Introversion: reserviert, halten sich im Hintergrund, ruhig, …

Seelische Stabilität————————–Neurotizismus

Seelische Stabilität: ausgeglichene Individuen

Neurotizismus: ängstlich, reizbar, verletzlich, impulsiv, …

Verträglichkeit———————————Unverträglichkeit

Verträglichkeit: vertrauensvoll, freimütig, altruistisch, bescheiden, gutherzig, …

Unverträglichkeit: argwöhnisch, berechnend, egoistisch, kalt, …

Gewissenhaftigkeit—————————wenig gewissenhaft

Gewissenhaftigkeit: kompetent, ordnungsliebend, pflichtbewusst, leistungsorientiert, …

wenig gewissenhaft: leichtfüßig, phlegmatisch, uneffizient, …

offen für neue Erfahrungen————-vertraute Situationen

offen für neue Erfahrungen: fantasiebegabt, kunstinteressiert, feinsinnig, neugierig, aufgeschlossen, …

vertraute Situationen: konservativ, folgen gleichen Mustern, …

Jeder Mensch hat eine persönliche Position auf allen 5 Achsen. Alle 5 Positionen ergeben dann ein Profil der eigenen Persönlichkeit. Diese Positionen lassen sich auf beliebig feinen Unterteilungen positionieren. Es handelt sich also in den wenigsten Fällen um Positionen an einem (extremen) Ende einer Achse.

Diese persönlichen Positionen drängen sich in der Mitte der Achsen und sind am Rand eher dünn besiedelt.

Ein korrekter und hilfsbereiter Mensch zeigt demnach eine hohe Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit und befindet sich auf den anderen 3 Achsen eher im Mittelfeld. Desweiteren zeigen sich einige Eigenschaften einer Persönlichkeit erst durch die Kombination von 2 oder sogar mehr der Big-Five-Skalen:

Schüchtern: Ein introvertierter Mensch ist erst dann schüchtern, wenn er auch einen hohen Neurotizismus (also Unsicherhheit/geringes Selbstwertgefühl) zeigt.

Lustig: Ein lustiger Mensch zeigt eine Verbindung von hoher Extraversion und hoher Verträglichkeit.

Vertrauensvoll: Ein vertrauensvoller Mensch steht für hohe Verträglichkeit und niedrigen Neurotizismus.

Unreif: Ein unreifer Mensch zeigt niedrige Gewissenhaftigkeit und niedrige Offenheit.

So grob dieses Raster auf den ersten Blick wirkt, so vielfältig ist die Anzahl der möglichen Kombinationen … je nachdem wie viele Unterteilungen man auf einer Achse wählt.

Unsere persönliche Verästelung mag durchaus als einzigartig gelten. Und so schmeichelhaft dies auch klingen mag, neigen wir doch dazu Menschen in Schubladen zu sortieren, anstatt nach ihrer Einzigartigkeit zu suchen. Dies schafft Orientierung und erleichtert die Übersicht.

Bei einer Untersuchung von 151 Kindergartenkindern stellten sich 3 prototypische Persönlichkeitprofile heraus:

1) die überkontrollierten Kinder:

brav und rücksichtsvoll, gehemmt, verträglich, hilfsbereit, gehorsam, gefügig, halten sich an Regeln, Mangel an Selbstvertrauen, von außen gesteuert und daher wenig Zutrauen in ihren eigenen Willen.

2) die unterkontrollierten Kinder

impulsiv, vital, lebhaft, unruhig, nicht grüblerisch, aufgebracht, schlecht gelaunt, aggresiv, schieben Schuld auf andere, keine hohen Ansprüche an sich selbst.

3) der resiliente Typ

anpassungsfähig, belastbar, aufmerksam, tüchtig, gescheit, Selbstvertrauen, keine starken Stimmungsschwankungen, Anforderungen und Belastungen gut gewachsen.

Die über- und unterkontrollierten Kinder machen etwa 50% der Fälle aus.

Genau diese drei Typen finden sich auch bei Erwachsenen wieder.

Natürlich ist jeder Mensch ein Unikat, aber auch nicht so einzigartig, wie manch einer denkt.

Zitat aus „Das Leben des Bryan“:

Bryan: „Ihr seid alle Individuen!“

Das Volk: „Ja, wir sind alle Individuen!“

(Aus: Psychologie Heute-compact – Selbsterkenntnis)

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